
Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) hat sich bisher offensichtlich als Flop erwiesen. Während das Bundesfamilienministerium in der Öffentlichkeit Erfolgsmeldungen verbreitet (der BFD nimmt deutlich Fahrt auf ... Zahlen der Verträge im neuen BFD steigen von Woche zu Woche...) wird hinter den Kulissen Tacheles geredet. Am Montag dieser Woche traf sich der die Bundesfamilienministerin vertretende Staatssekretär Hecken mit den Spitzen der Wohlfahrtsverbände zu einer Krisensitzung. Grund für das Treffen waren die völlig unbefriedigenden Vertragszahlen beim neuen BFD. Von der Zielmarke von 35.000 Freiwilligen ist man im BFD offensichtlich noch weit entfernt. Während sich die Bewerbungen der Jugendlichen beim bewährten Freiwilligendienst der Länder nach wie vor positiv entwickeln, hinkt der BFD wegen vieler offener Fragen weit hinterher. Deshalb hat das Bundesfamilienministerium die Träger der Freiwilligendienste nun mit der Brechstange bearbeitet. Die Träger werden genötigt, ab sofort BFD-Plätze prioritär anzubieten. Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) will das Bundesfamilienministerium nur noch fördern, wenn sie im Verhältnis 3:2 zum BFD beantragt werden. Damit aber nicht genug: Da viele Jugendliche mittlerweile schon FSJ-Verträge mit den Trägern abgeschlossen haben, sollen solche Verträge nun nachträglich in BFD-Verträge umgewandelt werden. Damit das gelingt, entwirft das Bundesfamilienministerium einen "Musteränderungsvertrag", der in den nächsten Wochen zur Anwendung kommen soll. Auf diese Weise will das Bundesfamilienministerium spätestens im Oktober der Öffentlichkeit für den BFD eine Erfolgsbilanz präsentieren.
Der im Haushaltsausschuss des Bundestages für das Bundesfamilienministerium zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz hält dieses Vorgehen für eine "schlichte Sauerei". "Es geht hier nicht nur darum, dass im Familienministerium ein Flop verdeckt und Manipulationen für eine Erfolgsbilanz vorgenommen werden", so Schwanitz weiter. "Ich halte eine solche Nötigung der Jugendlichen und der Träger auch für unzulässig und falsch. Das ist Freiwilligenpolitik nach Gutsherrenart. Das Bundesfamilienministerium hat seine Erpressungsversuche umgehend einzustellen."
22.7.2011