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Bemerkenswertes zum Papst-Besuch in Spanien

Der neue Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, hat Demonstrationen gegen den bevorstehenden Papst-Besuch als "vollkommen in Ordnung" bezeichnet. Auch wenn Woelki damit nur eine demokratische Selbstverständlichkeit sagt - in Spanien hat die katholische Kirche unlängst andere Töne angeschlagen. Ausweislich der Süddeutschen Zeitung vom 19. August hat der Sprecher der spanischen Bischofskonferenz die Demonstranten gegen den Papst-Besuch in Spanien als "Parasiten" bezeichnet. Solche Äußerungen sind nicht nur menschenverachtend, sie bieten auch Bezugspunkte für Wirrköpfe und Fanatiker, die gegen Kirchenkritiker zu gewaltsamen Mitteln greifen wollen. Man erinnere sich nur an den kürzlich verhafteten Studenten und seine Vorbereitungen für einen Giftgasanschlag auf Andersdenkende.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun in ihrer Wochenendausgabe, dass der Papst bei seinem Spanienbesuch angesichts einer "Art Gottesfinsternis" in der heutigen Welt zu mehr "Radikalität" im Glauben aufgerufen hat. Am zweiten Tag seines Besuchs sagte demnach das Oberhaupt der katholischen Kirche vor 1600 Ordensschwestern, die Notwendigkeit dieser Radikalität ergebe sich aus dem "vorherrschenden Relativismus" und der Zurückweisung des Glaubens in der modernen Gesellschaft. Mit dem "Relativismus-Vorwurf" (Ratzinger spricht in seinen Reden auch gern von der "Diktatur des Relativismus") hat der Papst eine seiner Kernthesen bemüht, mit der er seit vielen Jahren die Meinungsfreiheit in pluralen Gesellschaften diffamiert. Wir werden davon bei seinem Deutschland-Besuch im September sicher noch mehr zu hören bekommen. Wer sich für diese Auseinandersetzung interessiert, dem sei Alan Poseners Buch "Benedikts Kreuzzug: Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft" zur Lektüre empfohlen.

Bezeichnend war darüber hinaus noch folgender Hinweis der Süddeutschen an gleicher Stelle: Die spanische Regierung hat angekündigt, sie wolle den Vatikan um Unterstützung bei der geplanten Umgestaltung der Grabstätte des faschistischen Diktators Franco bitten, der 1975 starb. Das von Zwangsarbeitern errichtete Mausoleum im Tal der Gefallenen, so die Zeitung weiter, solle nicht mehr ein Ort des althergebrachten Nationalkatholizismus sein, sondern "eine Stätte der Versöhnung" werden. Das Grab befinde sich in einer Basilika, die in einen Felsen geschlagen ist und von einem gigantischen Kreuz überragt wird. Der Sprecher des Vatikans reagierte der Zeitung nach ausweichend: Er glaube nicht, dass der Papst darüber mit dem spanischen Regierungschef reden werde.

22.8.2011

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